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Klein- und Großwuchs



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Größe ist relativ, und so ist verständlich, dass selbst Ärzte nicht immer klar sagen können, wo genau die Grenze zum krankhaften Kleinwuchs (Minderwuchs) bzw. krankhaften Großwuchs (Hochwuchs) liegt. Festgelegt werden:

  • Kleinwuchs: Das Kind gehört zu den kleinsten 3 % seiner Altersgruppe.
  • Großwuchs: Das Kind gehört zu den größten 3 % seiner Altersgruppe.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn Ihr Kind Ihnen ungewöhnlich klein oder groß erscheint, insbesondere wenn es früher gleich groß wie seine Altersgenossen war.

Die Erkrankung

Wie groß ein Mensch wird, ist größtenteils erblich bedingt. Ärzte schätzen die „Zielgröße“ eines Kindes entsprechend der Größe der Eltern: Die Körperlänge der Eltern (in cm) wird addiert, durch zwei geteilt, und dann 6 cm hinzugerechnet (bei Jungs) bzw. abgezogen (bei Mädchen). Kleine Eltern haben also in der Regel kleine Kinder, große Eltern haben große Kinder. Dieser familiär bedingte Klein- bzw. Großwuchs zeichnet sich dadurch aus, dass das Kind spätestens ab dem Kindergartenalter zu den eher Kleinen oder den eher Großen zählt, seine Wachstumsgeschwindigkeit bleibt dabei aber normal (d. h. es folgt auf der Perzentilenkurve in etwa demselben Korridor).

Abzugrenzen ist die konstitutionelle Entwicklungsverzögerung, eine andere erbliche Variante des Wachstums. Diese Kinder kommen später in die Pubertät als ihre Altersgenossen – da der mit der Pubertät verbundene Wachstumsschub auf sich warten lässt, sind diese Kinder zumindest eine Zeitlang im Vergleich zu ihren Klassenkameraden sehr klein. Wenn die Pubertät bei diesen „Spätentwicklern“ dann aber doch kommt, wachsen sie in etwa zu ihrer „errechneten“ Zielgröße.

Das Gegenteil wird bei der konstitutionellen Frühentwicklung beobachtet: Der ebenfalls oft familiär bedingte Frühstart in die Pubertät beschert den Kindern ihren Wachstumsschub ein bis mehrere Jahre vor den anderen Kindern.

Eine weitere Wachstumsvariante hat mit dem Körperfett zu tun: Übergewichtige Kinder wachsen ebenfalls rascher (ohne am Ende größer zu sein als ihre schlanken Altersgenossen).

Krankhafter Kleinwuchs kann erblich bedingt sein: Chromosomenabweichungen, etwa das Down-Syndrom oder das nur bei Mädchen auftretende Ullrich-Turner-Syndrom sind fast immer mit Kleinwuchs verbunden. Auch einige Skelettfehlbildungen gehen mit Kleinwuchs einher. In manchen Fällen sind auch Hormonstörungen für das geringere Wachstum verantwortlich, am häufigsten ist hier ein Mangel an Wachstumshormon. Typischerweise wachsen die Kinder bei einem Wachstumshormonmangel statt der normalen 5–7 cm weniger als 4 cm pro Jahr. Für viele Formen des Wachstumshormonmangels gibt es keine erkennbare Ursache, andere Formen sind angeboren. Selten kann auch ein Tumor der Hypophyse für den Mangel verantwortlich sein.

Auch eine Unterfunktion der Schilddrüse oder ein Hyperaldosteronismus Nebennierenrindenüberfunktion können zu Kleinwuchs führen. Aber auch chronische Erkrankungen wie etwa Herz-, Lungen- oder Darmerkrankungen können dazu führen, dass ein Kind im Wachstum zurückbleibt. Und schließlich wachsen auch ehemalige Frühgeborene mit einer geringeren Geschwindigkeit.

Krankhafter Großwuchs. Wie der krankhafte Kleinwuchs, so kann auch der – seltenere – krankhafte Großwuchs auf Veränderungen der Chromosomen oder erbliche Erkrankungen zurückzuführen sein (z. B. auf ein Klinefelter-Syndrom oder ein Marfan-Syndrom). Aber auch beim Großwuchs muss an Hormonstörungen gedacht werden, etwa eine Überproduktion von Wachstumshormon in der Hypophyse (dieser kann auch durch einen Tumor bedingt sein). Ein krankhaft früher Pubertätsbeginn lässt Kinder zunächst schneller wachsen als ihre Altersgenossen – da das Wachstum hier jedoch vorzeitig aufhört, sind die Betroffenen als Erwachsene zumeist klein.

Das macht der Arzt

Durch eine Röntgenuntersuchung der linken Hand bestimmt der Arzt die Reife des Knochens (das Knochenalter) des Kindes. Das Knochenalter zeigt in etwa die biologische Reife eines Kindes an, und lässt damit Rückschlüsse auf das noch verbleibende Wachstumspotenzial des Kindes zu. Ein gegenüber dem chronologischen (tatsächlichen) Alter stark vermindertes Knochenalter etwa lässt auf ein noch großes Wachstumspotenzial schließen. Auch der Stand der Pubertätsentwicklung gibt dem Arzt Aufschluss. Denn zum einen gehen manche Wachstumsstörungen mit einer ausbleibenden oder verspäteten Pubertät einher (etwa das Ullrich-Turner-Syndrom beim Mädchen oder das Klinefelter-Syndrom beim Jungen), zum anderen lassen sich hieraus Prognosen für das weitere Wachstum ableiten. So haben Mädchen mit dem Einsetzen der Regelblutung etwa 95 % ihrer späteren Erwachsenengröße erreicht, d. h. sie wachsen dann nur noch etwa 8 cm (dies schwankt jedoch je nach Alter des Mädchens relativ stark).

Bei Verdacht auf hormonelle Störungen werden die entsprechenden Hormonkonzentrationen im Blut bestimmt und eventuell zusätzliche hormonelle Tests durchgeführt. Möglicherweise ist hierzu ein kurzer Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Ist bei einem zu kleinen Kind ein Mangel an Wachstumshormon gesichert, so kann dieses heute durch regelmäßige Spritzen ersetzt und so eine einigermaßen „normale“ Endgröße erreicht werden (Hormonersatztherapie).

Umgekehrt kann bei familiärem Großwuchs durch Gabe von Geschlechtshormonen eine Verminderung der Endgröße um etwa 10 cm erzielt werden. Dadurch setzt allerdings auch die Pubertät früher ein, eine Situation, die ein Kind überfordern kann. Außerdem könnte durch diese Behandlungen später die Fruchtbarkeit leiden, so dass heute der Hochwuchs nur noch sehr zurückhaltend behandelt wird.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 14.03.2016 um 18:38


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