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Warzen



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Warzen (Verrucae): Durch Viren verursachte, ansteckende, aber gutartige Wucherungen der Hornhaut, die prinzipiell in allen Bereichen von Haut und Schleimhaut auftreten können. Am häufigsten finden sich gewöhnliche Warzen, Dornwarzen, Flachwarzen, Dellwarzen und Feigwarzen (sexuell übertragbar!). Warzen sind sowohl auf andere Hautstellen des eigenen Körpers als auch von Mensch zu Mensch übertragbar. Oft heilen sie nach Monaten bis Jahren von selbst, mitunter ist jedoch eine gezielte Entfernung erforderlich, wenn die Wucherungen beispielsweise andere durch Ansteckung gefährden (Feigwarzen), Schmerzen verursachen (Dornwarzen an der Fußsohle) oder kosmetisch sehr stören.

Alterswarzen gehören nicht zur Gruppe der viral bedingten, ansteckenden Warzen.

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn gewöhnliche Warzen kosmetisch störend sind.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Warzen entzündet sind oder bluten
  • Warzen sich auf andere Hauterkrankungen (z. B. eine Neurodermitis) „aufsetzen“
  • Dellwarzen sich rasch ausbreiten.

Die Erkrankung

Trotz unterschiedlichstem Aussehen liegt allen Warzen eine Virusinfektion der Haut zugrunde. Mit Ausnahme der Dellwarzen, deren Verursacher das Molluscum-contagiosum-Virus (ein Pockenvirus) ist, werden Warzen durch Humane Papillom Viren (abgekürzt HPV) hervorgerufen. Die Erreger werden sowohl durch direkten Hautkontakt als auch indirekt durch virushaltige Hautschuppen in Umkleideräumen, Saunen, Schwimmbädern, an Türklinken und Handtüchern übertragen. Sie dringen durch winzige Risse in die Oberhaut ein, vermehren sich und lösen an der betreffenden Stelle ein überschießendes Wachstum von Hornzellen aus.

Aussehen, Beschwerden und Heilungsaussichten hängen vom Warzentyp ab:

  • Gewöhnliche Warzen (Stachelwarzen, vulgäre Warzen, Verrucae vulgaris) sind mit Abstand die häufigste Warzenform, gekennzeichnet durch schmerzlose, derbe, bis erbsengroße Erhebungen auf der Haut. Ihre Oberfläche ist unregelmäßig und von weißer bis gelblicher Farbe. Bevorzugt entwickeln sich gewöhnliche Warzen auf dem Handrücken, an den Fingern und um den Nagel herum, wo sie einzeln oder beetartig gruppiert auftreten und kosmetisch erheblich stören. In der Regel heilen sie auch ohne Behandlung narbenlos ab und hinterlassen eine gewisse Immunität. Daher ist im Erwachsenenalter das Infektionsrisiko deutlich geringer als bei Kindern und Jugendlichen.
  • Dornwarzen (Stechwarzen, Verrucae plantares) treten an den Fußsohlen auf, wo sie aufgrund der Druckbelastung nicht nach außen wachsen können. Sie sind deshalb flach und oft von einer dicken Hornschicht umgeben. Nicht selten ist in ihrer Mitte ein dunkler Punkt sichtbar, der durch winzige Einblutungen entstanden ist. Dornwarzen können beetartig zusammenfließen und heißen dann Mosaikwarzen (Plantarwarzen). Besonders am Ballen und an der Ferse sind diese Warzen oft schmerzhaft (daher der Name Dorn- bzw. Stechwarze). Dornwarzen kommen nach der Entfernung häufig wieder.
  • Flachwarzen (Verrucae planae) sind flache, wenig auffällige, ovale, hautfarbene bis rötlichbraune, weiche Knötchen von 1–4 mm Durchmesser. Sie neigen zu großflächiger Ausbreitung, besonders im Bereich von Gesicht, Fuß- und Handrücken sowie Unterarmen. Flachwarzen bilden sich meistens ohne Behandlung spontan zurück.
  • Feigwarzen (Feuchtwarzen, Kondylome, Condylomata acuminata) zeigen sich als rötliche oder grauweißliche, bis mehrere Zentimeter große Wucherungen, die meist in Gruppen auftreten und sich überwiegend im Anal- und Genitalbereich von Erwachsenen finden. Sie sind hoch ansteckend und werden überwiegend durch Sexualkontakte übertragen. Obwohl sie in 30 % der Fälle spontan abheilen, müssen sie unbedingt schnellstmöglich vom Arzt behandelt werden. Bestimmte Typen von Feigwarzenviren können bei infizierten Frauen Gebärmutterhalskrebs verursachen.
  • Dellwarzen (Mollusken) sind eigentlich keine Warzen, sehen aber ähnlich aus und werden ebenfalls durch Viren hervorgerufen. Es handelt sich um linsengroße, schmerzlose, rosafarbene Knötchen, die in ihrer Mitte eine charakteristische Delle aufweisen und oft wie Perlen aussehen. Auf Druck geben sie einen weißlichen, virushaltigen Inhalt frei. Betroffen sind v. a. Kinder mit trockener Haut (z. B. bei Neurodermitis) und junge Erwachsene, bei denen die Ansteckung nicht selten durch Sexualkontakte erfolgt. Eine erhöhte Anfälligkeit besteht unter dauerhafter äußerlicher Kortisontherapie sowie bei allgemeiner Abwehrschwäche, z. B. nach länger anhaltendem Fieber, nach einer Organtransplantation oder bei HIV-Infektion. Dellwarzen kommen häufig an Gesicht, Rumpf, Armen und Beinen vor, insbesondere bei Erwachsenen auch in der Genital- und Analregion. Wenn das Immunsystem stabilisiert ist, bilden sie sich in der Regel nach einem halben Jahr spontan zurück.

Das macht der Arzt

Warzen bilden sich meist von selbst zurück. Außer bei Feigwarzen, die immer ärztlich behandelt werden sollten, kann man deshalb abwarten. Falls die Warze aber ein kosmetisches Problem darstellt, durch eine ungünstige Lage Beschwerden bereitet oder wenn gleichzeitig eine die weitere Aussaat der Warzen begünstigende Hauterkrankung besteht (z. B. eine Neurodermitis), sollten sie behandelt werden.

Auflösen der Hornschicht. Hierzu eignen sich verschiedene Säuren zum Auftragen wie Salicylsäure (z. B. in Verrucid®), Milchsäure, Harnstoff oder entsprechende Kombinationen (z. B. Duofilm®). Bei Flachwarzen im Gesicht wird die aus der Aknetherapie bekannte Vitamin-A-Säure (Tretinoin, z. B. in Airol®) bevorzugt. Die Präparate können als Lösungen ausschließlich auf das befallene Areal getupft sowie als Cremes (etwa Salicylvaseline 3 %) oder auch als Pflaster (z. B. Guttaplast®) aufgebracht werden. Salicylhaltige Präparate sind nicht apothekenpflichtig. Damit sich die Hornschicht komplett auflöst, ist es erforderlich, die Präparate mehrmals täglich, besonders vor dem Schlafengehen aufzutragen. Die aufquellende Hornschicht sollte möglichst am nächsten Morgen entfernt werden, z. B. mit einer Feile oder einem Bimsstein. Diese Prozedur erfordert Behutsamkeit, um eine Verletzung benachbarter, gesunder Hautstellen zu vermeiden – sonst können Warzenviren verschleppt werden. Oft dauert es 3–4 Wochen, bis die Warze vollständig „abgeschält“ ist.

Hemmung der Viren. Oft reicht das Abtragen der Hornschicht nicht aus. Dann bietet sich als nächster Schritt an, auf den möglichst gut „abgeschälten“ Warzengrund ein virenhemmendes Zytostatikum wie 5-Fluorouracil (z. B. Verrumal®) aufzutragen. Diese Behandlung erfolgt zwei- bis dreimal täglich über mehrere Wochen.

„Invasive“ Therapien. Sie zerstören auf unterschiedlichste Weise die molekulare Bindegewebsstruktur der Warzen. Sehr hartnäckige Warzen können z. B. durch Kälte- oder Laserbehandlung sowie operativ entfernt werden. Die Kältebehandlung mit flüssigem Stickstoff oder einem anderen Kältemittel (Kryotherapie) erfordert keine lokale Betäubung, ist aber schmerzhaft. Einige Stunden nach der Behandlung entsteht eine Blase, die abgetragen wird. Die operative Behandlung erfordert eine örtliche Betäubung und kann Narben hinterlassen. Bei der Lasertherapie wird ebenfalls lokal betäubt, Narbenbildung und Schmerzen sind nach der Therapie seltener. Nicht selten bleiben bei den „invasiven“ Therapien Warzenreste zurück und sie müssen deshalb wiederholt werden.

Aktuelle Untersuchungen zur Wirksamkeit der Kryotherapie weisen daraufhin, dass das Vereisen von Warzen besser hilft als das Verätzen mit Salicylsäure – zumindest bei gewöhnlichen Warzen. Demnach heilten bei den Patienten vereiste Warzen in 50 Prozent der Fälle vollständig ab. Verätzte Warzen hingegen verschwanden zu 15 Prozent. Das entsprach etwa der Rate, in der sie auch von allein abheilten.

Dellwarzen. Bei Dellwarzen hängt die Behandlung von der Anzahl ab. Vereinzelt auftretende Dellwarzen lässt man am besten in Ruhe. Manchmal genügt ein „Ausquetschen“ der Warze mit anschließender Desinfektion durch Alkohol. Ansonsten lassen sich Dellwarzen durch Auftragen von Airol® oder Verrumal®, durch Entfernung mittels Laser oder Vereisung sowie durch Abtragen mit einer scharfen Nadel oder Kürette („scharfer Löffel“) behandeln.

Selbstbehandlung

Viele Warzenmittel zum Entfernen von Warzen sind in Drogerien und Apotheken frei erhältlich. Neben dem Auflösen der Hornschicht durch Säuren kommt auch das schrittweise Verätzen des Warzengewebes (z. B. mit Silbernitrat in Höllenstein Ätzstift®, Anwendung einmal pro Woche) in Betracht. Neuerdings sind auch rezeptfreie Produkte zur Vereisung erhältlich (z. B. Scholl Freeze® Warzenentferner), die angeblich selbst bei sehr hartnäckigen Warzen erfolgreich sind.

Dellwarzen entzünden sich leicht, wenn man sie mechanisch reizt. Danach bilden sie sich oft spontan innerhalb von 1–2 Wochen zurück. Einige Autoren empfehlen, diese Eigenschaft zur Selbsthilfe zu nutzen: nämlich mit einer sauberen Nadel den harten, weißen Kern der Warze anzustechen oder auch „herauszupulen“ und so dessen Entzündung zu provozieren. Dabei dürfen jedoch keine gesunden Hautpartien berührt werden, da die Warzenviren durch das Sekret weiterverbreitet werden.

Ein weiteres Selbsthilfeverfahren berücksichtigt die psychischen Aspekte der Warzenentstehung und -bekämpfung. Da ein gut funktionierendes Abwehrsystem Warzen zu zerstören vermag, können Methoden, die das Abwehrsystem stimulieren, die Heilung von Warzen beschleunigen. Auch ist so mancher Betroffene seine Warzen schon mit Behandlungsmethoden aus der Volksmedizin losgeworden, deren Wirkung ausschließlich auf Suggestion beruht.

Vorsorge

Warzen sind ansteckend und breiten sich leicht aus, insbesondere dann, wenn an ihnen manipuliert wurde. Wer eine Warze beispielsweise aufkratzt, riskiert eine Ausbreitung auf den umliegenden Hautbereich. Am besten überleben Warzenviren in feuchtem Milieu. Zur Übertragung von Dellwarzen reicht die gemeinsame Benutzung eines Handtuchs. Die für Dornwarzen verantwortlichen Viren finden sich oft auf feuchten Böden, z. B. in Bädern oder Saunabetrieben. Es ist deshalb empfehlenswert, in öffentlichen Einrichtungen nicht barfuß zu laufen und nur eigene Handtücher zu benutzen. Wer zudem dauerhafte Feuchtigkeit an den Füßen vermeidet, schützt sich nicht nur vor Warzen, sondern auch vor Fußpilz.

Komplementärmedizin

Warzenviren verbleiben immer im Körper und treten bei Abwehrschwächung wiederholt auf. Dementsprechend setzt die Komplementärmedizin auf die Stärkung des Abwehrsystems sowie die Behandlung der Symptomatik mit antiviralen Pflanzenextrakten mit dem Ziel, Warzen von innen auszuheilen.

Hydrotherapie. Zur besseren Abwehrstärkung sind alle durchblutungsfördernden Maßnahmen wie z. B. wechselwarme Arm- oder Fußbäder, Kneippsche Güsse, Wechselbäder und Wassertreten sinnvoll. Warzen heilen oft auch nach Anwendung von Kryotherapie aus: Hierbei wird flüssiger Stickstoff bis zu 20 Sekunden auf die Warzen appliziert. Ebenfalls gute Erfolge konnten mit der Behandlung mit Isopropanol-Lösung (70%ig) erzielt werden: Die Tinktur wird täglich mehrere Wochen lang dreimal aufgetragen.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt Thuja occidentalis als Tinktur zum Auftragen, als Globuli zum Einnehmen oder als Komplexmittel Thuja Oligoplex. Zur Immunstimulation wird Echinacea eingesetzt, bei rissigen oder verhornten Warzen Causticum oder Antimonium crudum.

Pflanzenheilkunde. Aus der Pflanzenheilkunde kommen Knoblauch (in Scheibchen aufgelegt oder aufgebunden) und Schöllkraut (Beiname: Warzenkraut) infrage. Schöllkrautsaft gibt es fertig in der Apotheke, er kann aber auch direkt von der frischen Pflanze auf die Warze aufgetragen werden (Stängel abbrechen und den austretenden gelben Saft auftragen. Da er giftig ist, darf aber nichts auf die Schleimhaut oder in die Augen gelangen!). Auch Zitronensaft, zweimal täglich aufgetragen, soll Warzen zum Abheilen bringen. Das gleiche gilt für selbst hergestellte Apfelessigtinktur: in 1 TL Apfelessig so viel Kochsalz auflösen wie möglich, dann drei Tropfen Lavendelöl dazugeben und diese Lösung zweimal täglich auf die Warze aufträufeln.

Zur Stärkung des Immunsystems (Immunstimulation) werden auch pflanzliche Präparate wie Sonnenhut (z. B. Echinacin® Madaus als Saft oder Dragees) oder Kombinationsmedikamente wie Esberitox® empfohlen.

Akupunktur. Die Akupunktur wird vornehmlich zur Stimulation des Immunsystems eingesetzt.

Entspannungverfahren. Bei etwa der Hälfte der Patienten gelingt eine Beeinflussung der Warzen über Autosuggestion, die mit Entspannungstechniken (z. B. Autogenes Training) gekoppelt werden kann.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. Ute Koch, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 30.06.2016 um 16:40


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